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Rieselfelder, Liegekur und Runkelrüben

Das StadtGut Blankenfelde im Norden Berlins
Ausstellung
Öffnungszeiten Freitag bis Sonntag von 12.00 – 18.00 Uhr und
Montag bis Dienstag von 14.00 – 18.00 Uhr.

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In einem Kooperationsprojekt zwischen dem Museum Pankow und dem Verein »StadtGut Blankenfelde e.V.« ist eine Ausstellung zur Entwicklung des Dorfes Blankenfelde und seiner unmittelbaren Umgebung an der heutigen Stadt­grenze im Norden Berlins entstanden.
Der historische Dorfkern von Blankenfelde, am äußersten Rande des Berliner Stadtgebietes gelegen, erinnert bis heute an das dörfliche Leben vor den Toren Berlins, bevor die Metro­pole sich entwickelte. Ein Blick in die Ge­schich­te Blanken­feldes ist auch ein Blick in die Geschichte der Stadt selbst, die nur wachsen konnte, weil man – oft rücksichtslos – auf die Ressourcen des Branden­burger Umlandes zugriff. Die Initiative, den ursprünglichen Dorfkern zu erhalten und von einer Umbauung zu schützen, geht bis in die Jahre vor dem Mauerfall zurück.
Die Nutzungs­geschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart ist durch sehr unter­schied­liche Ereignisse, Zäsuren und Persönlichkeiten geprägt. Zumeist erfolgte der Anstoß zu diesen Veränderungen von außen: Kriegs­ereignisse, Eigentümer­wechsel des Gutes oder politische Reformen.
Die wohl bedeutendste Zäsur für den Ort stellte Ende des 19. Jahrhunderts der Erwerb des ehemaligen Rittergutes durch die Stadt Berlin als Stadtgut zur Nutzung der Flächen als Rieselfelder dar. Fortan entstanden um das Dorf herum Riesel­flächen zur Aufnahme der Fäkalien der schnell wachsenden Residenzstadt. Daneben hatte das Stadtgut Blankenfelde die Berliner Bevölkerung mit Milch, Fleisch, Obst und Gemüse zu versorgen. Dazu kamen Aufgaben im Rahmen der Berliner Sozialpolitik. Das Stadtgut war jahrzehntelang auch Lungen­heil­stätte, Leicht­krankenhaus, Alten- und Flüchtlings­heim.
Als wichtige Infrastruktur­einrichtung der Stadt und als stadteigenem Land­wirtschafts­betrieb kam dem Stadtgut während des Ersten und Zweiten Weltkrieges besondere Bedeutung zu. Dem kriegs­bedingten Arbeits­kräfte­mangel begegneten NS Staat und Magistrat auch in Blankenfelde durch den Einsatz von Zwangsarbeitern.
Die Rote Armee beschlagnahmte das Stadtgut 1945 und betrieb es bis 1950 als »Militär­hilfs­wirt­schaft« zur Versorgung der sowjetischen Garnison in Potsdam. Bereits vor dem Kriegs­ende erreichten das Gut Flüchtlings­familien, die jenseits der Oder vertrieben worden waren. Viele fanden in Blankenfelde und der näheren Umgebung ein neues Zuhause.
In der DDR war das Gut staatseigen, insofern die Bezeichnung »Volkseigenes Gut (VEG) Blankenfelde« irreführend. Bis 1989 war Blankenfelde entsprechend der jeweiligen DDR-­Land­wirt­schafts­politik unterschiedlicher organisatorischer und produktions­spezifischer Schwer­punkt­setzun­gen ausgesetzt. Einer Spezialisierung und Technisierung standen eine wachsen­den Ineffizienz der landwirt­schaftlichen Produktion und nicht mehr zu übersehenden öko­lo­gi­schen Folgen der intensiven Verrieselung für Böden und Grundwasser gegenüber.
Viele Jahrzehnte arbeiteten Lehrlinge und Erntehelfer auf dem Gut. Eine Reihe von Ihnen erzählen in der Ausstellung von den Erlebnissen auf dem Gut.
Anfang der 1990er Jahre fällt das ehemalige Gut Blankenfelde über Jahre in einen Dorn­rös­chen­schlaf und die zum Gut gehörenden Flächen Richtung Lübars erholen sich nur langsam von dem massiven Eingriff in die Landschaft durch den Mauerbau, der 28 Jahre die beiden Nachbardörfer Blankenfelde und Lübars voneinander trennten. Schließlich zog auf das Gut eine Initiative, die die denkmal­gerecht instandgesetzten Gebäude heute als intergeneratives Wohn- und Arbeitsprojekt nutzt.

 

Zur Ausstellung kann ein Katalog in Höhe von 14.90€ käuflich erworben werden.

...wo die Stadt Gut ist.

Das StadtGut liegt im Dorf Blankenfelde im Bezirk Pankow, an der Nahtstelle zwischen Großstadt und Umland. Im Norden erstreckt sich der Naturpark Barnim, im Süden Berlin.

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